Von Jan Ackermeier

Am 13. November 1914 erhält Mary Phelps Jacob, später unter dem Namen Caresse Crosby bekannt, das US‑Patent Nr. 1,115,674 für ein neuartiges „Backless Brassiere“ und damit die Rechte an der Konstruktion des ersten modernen Büstenhalters. Die Erfindung ersetzt die starren, mit Walbarten und Stahl gestützten Korsetts durch ein leichtes, zweiteiliges Vorderteil mit Schulterträgern und Bindebändern – eine Konstruktion, die Bewegungsfreiheit, Komfort und eine natürlichere Silhouette kombiniert.

Der praktische Ursprung lag im Jahr 1913
Für ein Abendkleid improvisierte Jacob aus zwei Seidentaschentüchern und einem Band eine stützende, aber unsichtbare Alternative zum Korsett; Nachfrage von Freundinnen folgte prompt. Den Schritt zur formalen „ersten Veröffentlichung“ in Patentsinn markiert jedoch die Einreichung am 12. Februar 1914, gefolgt von der „ersten Patent‑Erteilung“ am 13. November 1914. Diese zeitliche Trennung ist wichtig, um die oft vermischten Angaben „Erfindung 1913“ und „Patent 1914“ korrekt zu trennen.

Elastizität etwas Neues
Technisch beschreibt das Patent ein vorn aus zwei auf Schrägfaden geschnittenen Stoffstücken zusammengesetztes Kleidungsstück mit verstellbaren Bändern, das ohne Rückenteil getragen wird und durch die Fadenlage elastisch nachgibt, dabei aber am unteren Abschluß Halt gibt. Ziel war eine universelle Paßform mit wenigen Größen sowie Tragekomfort selbst bei „violent exercise“ wie Tennis – bemerkenswert modern für die Zeit. Wirtschaftlich produzierte Jacob nur kurz selbst und verkaufte das Patent dann für 1.500 US‑Dollar an die Warner Brothers Corset Company in Bridgeport, Connecticut; Warner setzte mit dem Bra in den folgenden Jahrzehnten Millionen um. Zugleich gilt: Jacob erfand nicht den ersten „Brassiere“ überhaupt – frühere Ansätze (etwa Marie Tucek, 1893) existierten –, doch ihr Design wurde zum stilbildenden Übergang vom Korsett zum modernen BH.

Beitragsbild / Symbolbild: Patentzeichnung aus dem Patentantrag 1914. Urheber unbekannt.

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