Von Jan Ackermeier

Am 6. November 1789 geschieht in den Vereinigten Staaten etwas bis dahin Undenkbares: Im noch jungen Land, das eben erst siegreich aus dem Unabhängigkeitskrieg hervorgegangen ist, wird das erste Katholische Bistum gegründet. Der Papst ernennt Erzbischof John Carroll zum Oberhaupt dieser Diözese Baltimore. Der Schritt markiert einen grundlegenden Wandel im religiösen Leben der neuen Nation und verleiht der Katholischen Kirche erstmals offiziellen Status in dem noch jungen Staat.

Das späte 18. Jahrhundert ist geprägt vom Neuaufbau amerikanischer Institutionen
In den Kolonien leben nur wenige Katholiken. Viele von ihnen stammen aus Maryland und werden gesellschaftlich oft mißtrauisch betrachtet. Nach der amerikanischen Unabhängigkeit suchen sie ihren Platz in der Gesellschaft, in der Vertreter verschiedener Glaubensrichtungen miteinander auskommen müssen. Papst Pius VI. greift das Anliegen der nordamerikanischen Katholiken auf und autorisiert die Gründung der Diözese, wobei Erzbischof John Carroll wegen seiner Integrität und Bildung das Vertrauen der Gemeinde und der Kurie genießt. Am Tag der Ernennung versammelt sich Erzbischof Carroll in Baltimore mit Geistlichen und Katholischen Familien. Die Nachricht aus Rom trifft offiziell ein: Der Papst hat Baltimore als Sitz bestätigt und den gebürtigen Amerikaner Carroll als ersten Erzbischof bestimmt. Der Vorgang geschieht mit Zustimmung der Gläubigen, ein Stil, der in anderen Teilen der Welt kirchengeschichtlich selten ist. Erzbischof Carroll wird zum Symbol nicht nur für Glauben, sondern auch für die Möglichkeit einer Katholischen Identität. Später beschreibt Erzbischof Carroll diesen Moment als „Segen und Verpflichtung für unsere Gemeinschaft“.

Bald nach der Ernennung wächst das Selbstverständnis nordamerikanischer Katholiken
Es entstehen religiöse Strukturen, Schulen, Armeninstitutionen und viele neue Pfarreien. Die Kirche nimmt Formen an und kann nicht nur Heilige Messen abhalten, sondern sich auch gesellschaftlich mehr und mehr einbringen. Heute ist Baltimore Sitz des ältesten und bekanntesten Katholischen Erzbistums Nordamerikas und erinnert daran, wie religiöse Institutionen zur Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft beitrugen. In vielen Städten des Landes finden sich Spuren dieser frühen Geschichte der Katholischen Kirche in den USA.

Beitragsbild / Symbolbild: Die Marienbasilika in Baltimore; erbaut 1806–1821 als Bischofskirche für das römisch-katholische Erzbistum Baltimore und damit eine der ältesten Katholischen Kirchen in den USA. Urheber unbekannt.

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