Von Jan Ackermeier

In den Aufzeichnungen von Christoph Kolumbus taucht am 5. November 1492 erstmals die Maispflanze als Fundstück der Neuen Welt auf. Die Begegnung mit einem bis dahin in Europa unbekannten Getreide wird präzise im Bordbuch erwähnt. Dies ist einer der frühesten belegten Hinweise auf den transkontinentalen Austausch von Nutzpflanzen. Der genuesische Seefahrer Kolumbus, unterwegs im Auftrag der spanischen Krone, ist auf der Suche nach neuen Handelsrouten nach Asien. Stattdessen trifft er auf fremde Kulturen, fremde Gebräuche und eine reiche Pflanzenwelt, die den Europäern bis dahin verborgen blieb. Begleitet wird er von einer teils abergläubischen, teils hoffnungsfrohen Mannschaft, die in der unbekannten Welt viele Überraschungen erlebt.

An diesem Tag nimmt Kolumbus erstmals eine Kolbenfrucht mit, die ihm von Einheimischen gereicht wird
In seinem Tagebuch hält er fest, dass dieses „Getreide“ auf Feldern rund um die Dörfer wächst und für die Menschen dort eine Hauptnahrungsquelle darstellt. Die Begegnung mit Mais erfolgt weder beiläufig noch spektakulär, sondern ist das Ergebnis neugierigen Beobachtens und offener Dokumentation. Kolumbus beschreibt die Frucht als „Zea“ und ist beeindruckt von ihrer Verbreitung und Bedeutung für die karibischen Inselbewohner.

Schnell wird klar, dass die neue Pflanze mehr ist als eine exotische Kuriosität
Die Spanier erkennen in Mais eine widerstandsfähige Nahrung, die ihnen während der langen Reisen und bei der Versorgung von Siedlungen in Übersee von Nutzen sein kann. Der Anbau breitet sich in den kommenden Jahrzehnten rasch aus, zunächst auf den Inseln der Karibik, dann auch in europäischen Gärten und Feldern. Heute ist Mais eine der wichtigsten Kulturpflanzen weltweit. Er sichert die Ernährung von Milliarden Menschen, ist eine Schlüsselzutat vieler regionaler Küchen und dient in zahlreichen Ländern als Futtermittel und Energieträger. Die Erwähnung am 5. November 1492 markiert einen unscheinbaren, doch folgenreichen Moment am Beginn des globalen Zeitalters: Die Verflechtungen der Kulturen und die Wanderung von Pflanzen verändern seitdem nachhaltig Landwirtschaft, Ernährung und Wirtschaft vieler Kontinente.

Beitragsbild / Symbolbild: Logbuch des Christoph Kolumbus. Urheber unbekannt.

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