Von Jan Ackermeier
Am 19. September 1692 fand in Salem, Massachusetts, eine der dunkelsten Episoden der amerikanischen Kolonialgeschichte statt. Der 81-jährige Farmer Giles Corey wurde zu Tode gepreßt – ein Verfahren, bei dem schwere Steine auf den Körper gelegt wurden, bis der Angeklagte starb. Es dauerte drei Tage, bis der Tod eintrat. Corey hatte sich geweigert, vor Gericht ein Schuldbekenntnis oder ein „Nicht schuldig“ abzulegen. Mit seinem Schweigen wollte er verhindern, dass sein Land konfisziert und seiner Familie genommen wurde. Sein Tod ist der einzige bekannte Fall dieser Art in Neuengland.
Ein trauriges Schauerspiel
Die Hinrichtung Coreys steht sinnbildlich für die Salem-Hexenprozesse, die von Angst, religiösem Fanatismus und politischer Unsicherheit geprägt waren. Über 200 Menschen wurden damals beschuldigt, mit dem Teufel im Bund zu stehen, viele wurden inhaftiert und 20 Personen hingerichtet. Oft wird die Hexenverfolgung als Schreckensbild des „dunklen Mittelalters“ dargestellt. Tatsächlich jedoch ereigneten sich die meisten Prozesse in der frühen Neuzeit zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Besonders betroffen waren protestantische Gebiete in Deutschland, der Schweiz, Skandinavien und den englischen Kolonien. Dort führten eine strenge Bibelauslegung des protestantischen „sola scriptura“, soziale Spannungen und neue Gerichtspraxen zu einer Welle von Verfolgungen.
Beitragsbild / Symbolbild: Szene im Gerichtssaal während der Hexenprozesse in Salem (Illustration von 1876). Urheber unbekannt.
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